Gefahrguteinsatz im Fürstenwalder Stadtgebiet hält Feuerwehr in Atem

In einem Futtermittelwerk in Fürstenwalde wurde durch die Mitarbeiter am 18.07.2013 gegen 04:15 der Austritt einer Säure im Säurelager festgestellt.
Die daraufhin alarmierte Feuerwehr Fürstenwalde rückte mit 3 Staffeln und der Gefahrstoffeinheit aus. Aus Strausberg kam der Dekon P und aus Frankfurt/Oder der GW-Mess dazu.
Der erste eingesetzte Trupp unter CSA konnte den weiteren Austritt von Säure durch Schließen eines Absperrschiebers verhindern und eine erste Beschreibung der Situation innerhalb des Säurelagers geben.
Das Säurelager hat eine Abmessung von 15m x 8m x 8m (h * b * t) und ist mit einer Bodenwanne ausgestattet. In dieser befindet sich an einer Wand ein Pumpensumpf. An der tiefsten Stelle der Bodenwanne wurde ein Säurestand von ca. 3cm ermittelt und durch den Betriebsleiter wurde informiert, dass ca. 300 l einer Zubereitung von 85%iger Ameisensäure und Milchsäure aus einem mit einer Füllstandsanzeige versehenen Behälter fehlen. Durch die Feuerwehr Fürstenwalde wurde der Fachberater „Gefahrstofflagen“ des Landes Brandenburg, Brandamtsrat Dipl.-Ing. Alexander Trenn informiert, der sich nach dieser Information sofort zur Unterstützung der Einsatzleitung auf den Weg zum Einsatzort begab.
Da die Atmosphäre im Säurelager hochgradig kontaminiert war und die Gefahr bestand, dass sich durch die Reaktion der Säure bzw. der Säuredämpfe eine explosionsfähige Atmosphäre gebildet hatte, musste eine Abluftöffnung ca. 80 cm x 80 cm, an der Giebelwand geschaffen werden um dann mit einem Überdrucklüfter das Säurelager zu lüften. Ein weiterer Lüfter wurde eingesetzt, um die Gase von den Einsatzkräften der Feuerwehr fernzuhalten.
In Zusammenarbeit mit einem durch den Betriebsleiter zeitnah verständigtem Entsorgungsunternehmen wurde die ausgelaufene Säure abgepumpt. Mittels einer vor Ort angemischten Natriumkarbonatlösung wurde die verblieben Säure im Objekt neutralisiert und danach alles ausgiebig mit Wasser gespült. Zum Vorteil war, dass im Werk Natriumkarbonat verarbeitet wird und dementsprechend unmittelbar zur Verfügung stand. 250kg Natriumkarbonat wurden eingesetzt.
Insgesamt waren 59 Feuerwehrangehörige aus Fürstenwalde, Storkow, Strausberg, Hangelsberg und Frankfurt/Oder eingesetzt. Zur medizinischen Absicherung der Einsatzstelle war während des gesamten Einsatzes ein Fahrzeug des Rettungsdienstes mit Besatzung vor Ort.
Verursacht wurde die Havarie durch einen Defekt an einem Manometer des Rohrleitungssystems. Nach Informationen des Geschäftsführers, kam es durch den Stillstand des Werkes von rund 10 Stunden, zu einem Produktionsausfall von ca. 500 Tonnen Tierfutter.
Es kam zu keinen Personen- oder Umweltschäden. Eine Information an die Bevölkerung musste nicht gegeben werden, da sich der Gefahrenbereich im wesentlichen auf das Säurelager selbst beschränkte und auch in einem ausreichenden Abstand zum bewohnten Gebiet befand.

 

Text: Uwe Pietsch-Kropf

Bilder: René Schulz, Melanie Schmidt